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Vergeben und schenken sind für christliches Leben tragende Säulen

19. Katechese zur Barmherzigkeit im Licht des Neuen Testaments von Papst Franziskus

Bild: InternetIn der Katechese bei der Generalaudienz vom Mittwoch, 21. September 2016, wurde diesmal eine Lesung aus dem Lukasevangelium (siehe unten Lk 6,36-38) vorgetragen.  Es ist das Motto dieses Heiligen Jahres: „Seid barmherzig wie euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ Das ist nicht etwa ein Slogan, sondern ein Auftrag für das Leben. Um diesen Satz gut zu verstehen, müssen wir ihn mit der Parallele aus dem Matthäusevangelium gegenüberstellen, wo Jesus sagt:  „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (siehe Mt 5,48) In der sogenannten Bergpredigt, die mit den Seligpreisungen beginnt, lehrt der Herr, dass die Vollständigkeit in der Liebe besteht, die die Erfüllung aller Gesetze ist, Aus dieser Perspektive präzisiert Lukas, dass die Vollkommenheit die barmherzige Liebe ist. Vollkommen sein, heisst also, barmherzig sein. Eine Person, die nicht barmherzig ist, aber vollkommen, perfekt? Nein. Eine Person, die nicht barmherzig ist und gut? Nein. Die Güte, die Vollkommenheit wurzeln in der Barmherzigkeit. Natürlich ist Gott vollkommen, dennoch, wenn wir ihn so erkennen oder so ansehen, dann wird es für die Menschen unmöglich, zu dieser Vollkommenheit zu gelangen. Ihn aber vor Augen zu haben als barmherzig, erlaubt uns, besser zu verstehen, worin seine Vollkommenheit besteht. Und das treibt uns dazu an, so wie er zu sein, voller Liebe, voller Mitleid und Barmherzigkeit. Aber ich frage mich: Sind die Worte Jesu realistisch? Ist es wirklich möglich, so zu lieben wie Gott liebt und so barmherzig zu sein wie er? Wenn wir die Heilsgeschichte betrachten, erkennen wir, dass die ganze Offenbarung Gottes eine unablässige und unermüdliche Liebe für die Menschen ist.  Gott ist wie ein Vater oder wie eine Mutter, die ihre Liebe in einer unausschöpflichen Fülle über alle Geschöpfe ausgiessen. Der Höhepunkt dieser Liebe ist das Kreuz, an dem Jesus stirbt, es ist eine so grosse Liebe, dass nur Gott diese Liebe verwirklichen kann (… Forts. siehe Radio Horeb Podcast vom 21.09.2016 @ 5 min 22 sec). Die Lesung zur Katechese stammt aus dem Lukasevangelium (siehe Lk 6,36-38):

Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

Zusammenfassung der Katechese von Papst Franziskus vom 21. September 2016

Liebe Brüder und Schwestern, das Motto des außerordentlichen Heiligen Jahres ist dem Abschnitt des Lukasevangeliums entnommen, den wir eben gehört haben: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (6,36). Dies ist nicht einfach ein Slogan, sondern eine Lebensaufgabe. Das verdeutlicht auch die Parallelstelle bei Matthäus: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (5,48). Barmherzig sein heißt vollkommen sein, „perfekt“ sein, wie der lateinische Text sagt. Aber können wir das? Können wir lieben und barmherzig sein wie Gott? Gottes Liebe ist unendlich groß. Wenn uns Jesus aber aufruft, barmherzig zu sein wie der Vater, denkt er nicht an Quantität. Er möchte, dass wir zu einem Zeichen, zu einem Sprachrohr, zu Zeugen seiner Barmherzigkeit werden. In diesem Sinne spiegeln die Heiligen der Kirche durch ihr vielfältiges Wirken das barmherzige Antlitz Christi wider. Mit zwei Schlüsselwörtern konkretisiert der Herr barmherziges Handeln: „Schulden erlassen“ (V. 37) und „beschenken“ (V. 38). Nach dem Maß, mit dem wir von Gott Gaben erhalten, sollen wir auch dem Nächsten verzeihen und ihn beschenken. Und in dem Maß, mit dem wir dem Nächsten Vergebung und Wohlwollen entgegenbringen, werden wir auch von Gott mit seiner Güte bedacht! © Copyright – Libreria Editrice Vaticana

Für die deutschsprachigen Pilger wurden folgende Grußworte auf Italienisch verlesen:

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Pilger deutscher Sprache, besonders an die Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Josef aus Schwandorf. Lasst durch eure Werke der Barmherzigkeit immer mehr das barmherzige Antlitz Jesu in der Welt erstrahlen. Ich wünsche euch einen guten Aufenthalt in Rom und segne euch alle von Herzen. © Copyright – Libreria Editrice Vaticana

Weitere Hinweise und Quellen