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Seien wir dem barmherzigen Handeln Gottes kein Hindernis

17. Katechese zur Barmherzigkeit im Licht des Neuen Testaments von Papst Franziskus

Bild: InternetIn der Katechese bei der Generalaudienz vom Mittwoch, 7. September 2016, wurde wieder eine Lesung aus dem Matthäusevangelium (siehe unten Mt 11,2-6) vorgetragen. Die Intention des Evangelisten ist es, dass wir tiefer in das Geheimnis Jesu eintreten, um seine Güte und seine Barmherzigkeit zu erfassen. Dies ist die Szene: Johannes der Täufer, der im Gefängnis war, sendet seine Jünger zu Jesus, um ihm eine klare Frage zu stellen: „Bist du derjenige, der kommen soll, oder sollen wir auf jemand andern warten?“ Er war wirklich in einem Moment der Dunkelheit. Der Täufer hatte mit Sehnsucht den Messias erwartet und in seiner Predigt hat er ihn mit einem starken Anstrich als Richter gemalt,  der letztendlich das Reich Gottes aufbaut, das Volk reinigt, die Guten belohnt und die Bösen bestraft. So hat er auch dann gepredigt: „Schon ist die Axt an die Wurzeln der Bäume gelegt. Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Jetzt aber hat Jesus seine öffentliche Mission mit einem ganz andern Stil begonnen. Johannes leidet. Er ist in einer doppelten Dunkelheit, in einer Dunkelheit des Gefängnisses, der Zelle, und in einer Dunkelheit des Herzens. Er versteht diesen Stil nicht. Und er möchte wissen: Ist es jetzt der Messias oder muss man einen andern erwarten? Und die Antwort Jesu scheint auf den ersten Blick nicht auf die Anfrage des Täufers zu passen. Jesus sagt: Geht und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, die Toten stehen auf, werden auferweckt, den Armen wird das Evangelium verkündet, selig ist, wer an mir keine Anstoss nimmt, dem ich nicht zum Skandal werde. Das ist die Antwort Jesu. Hier wird das Anliegen des Herrn Jesus klar. Er antwortet, dass er ein konkretes Instrument der Barmherzigkeit des Vaters ist, der allen entgegengeht mit Trost und Heil und auf diese Art und Weise das Gericht Gottes offenbart: die Blinden, Lahmen, Tauben und die Aussätzigen gewinnen ihre Würde wieder und sie sind nicht mehr ausgeschlossen durch oder wegen ihrer Krankheit. Die Toten kommen zum Leben zurück, während den Armen die Frohe Botschaft, das Evangelium verkündet wird. Es ist die Synthese, die Zusammenfassung des Handelns Jesu, der auf diese Art und Weise das Handeln Gottes sichtbar, berührbar macht. Die Botschaft, die die Kirche von dieser Erzählung des Lebens Jesu erhält, ist sehr klar: Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um die Sünder zu bestrafen und auch nicht die Bösen zu vernichten, sondern ihnen wird eine Einladung zur Bekehrung, zur Umkehr geschenkt. Wenn sie die Zeichen der Güte Gottes sehen, können sie den Weg zur Umkehr, der Rückkehr finden, so wie es der Psalm 103 sagt (Psalm 103,3-4): Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient. …

Lesung zur Katechese aus dem Matthäusevangelium (Mt 11,2-6):

Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

Zusammenfassung der Katechese von Papst Franziskus vom 7. September 2016

Liebe Brüder und Schwestern, im Evangelium hören wir von der Frage Johannes’ des Täufers, ob Jesus wirklich der erwartete Messias sei. Mit seiner Antwort macht Jesus deutlich, dass er das konkrete Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes ist. Er ist vom Vater gesandt, um allen Trost und Heil zu bringen und um die Sünder zur Umkehr zu rufen. In Jesus zeigt sich Gottes Gerechtigkeit in erster Linie als Barmherzigkeit. Der Herr mahnt, an seinem Wirken keinen Anstoß zu nehmen. Diese Mahnung ist immer aktuell. Auch heute schafft sich der Mensch Vorstellungen von Gott, die ihn daran hindern, Gottes wahre Gegenwart zu erfahren. Die einen legen sich Gott nach den eigenen Wünschen und Überzeugungen in einer Art „Selfmadeglauben“ zurecht. Andere machen Gott zu einem falschen Götzen, indem sie seinen Namen für persönliche Interessen oder sogar für Gewalt missbrauchen. Wieder andere reduzieren Gott auf eine psychologische Zuflucht in schwierigen Lebensmomenten oder sehen in Jesus bloß einen Meister ethischer Lehren. Schließlich gibt es welche, die in einer rein innerlichen Beziehung die missionarische Kraft des Glaubens, der die Welt und die Geschichte verändern kann, ersticken. Wir dürfen dem barmherzigen Handeln des Vaters keine Hindernisse in den Weg legen. Vielmehr müssen wir um das Geschenk eines großen Glaubens bitten, damit wir Zeichen und Werkzeuge der Barmherzigkeit werden. © Copyright – Libreria Editrice Vaticana

Für die deutschsprachigen Pilger wurden folgende Grußworte auf Italienisch verlesen:

Mit Freude heiße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache sowie aus den Niederlanden willkommen. Besonders grüße ich die Gläubigen des Bistums Passau – und nun, mit Ihnen, erinnere ich mich an die Jungfrau von Altötting – mit ihrem Bischof Stefan Oster, die Mitglieder der Historischen Bürgerwehr Dietenheim und die Gruppe der Kardinal-von-Galen Gesamtschule Nordwalde. Eure Romwallfahrt stärke euch im Glauben und in der tätigen Nächstenliebe. Von Herzen segne ich euch alle. © Copyright – Libreria Editrice Vaticana

Weitere Hinweise und Quellen